Ablauf/Durchführung eines Webseiten-Umzuges

Notwendige Begrifflichkeiten von Webauftritt-Umzügen

Eine Domain oder die Domains Ihres Webauftrittes sind sowohl aus Anwendersicht als auch aus technischer Sicht der zentrale Einstiegspunkt. Unter einer Domain versteht man z.B. IhreWebseite.de oder auch IhrShop.de. Ein Webauftritt kann durchaus mehrere Domainnamen haben, z.B. eine Domain für Produkte aus einer Kategorie und eine Domain für Produkte aus einer anderen Kategorie, die aber über die selbe Shop-Installation abgebildet werden, sich aber sonst äußerlich stark unterscheiden.

Die Zuordnung von Domains zu einem (oder mehreren) Servern erfolgt über das Domain-Name-System (DNS). Dabei spielen Subdomains eine zentrale Rolle, die wohl bekannteste Subdomain ist vermutlich «www», wobei es im Prinzip noch eine “Subdomain” gibt, die aber nie ausgesprochen wird: «» (leer). Für die Erreichbarkeit über den Browser sind diese beiden in der Regel die interessantesten, denn der Besucher, wenn er denn noch selbst tippt und nicht über eine Suchmaschine auf Sie aufmerksam wird, wird in der Regel «domain.tld» (eben ohne «www») oder «www.domain.tld» eingeben (analog: IhreWebseite.de, www.IhrShop.de).

Eine jede Domain hat im Normalfall mehrere solcher DNS-Einträge (jede Subdomain ist ein DNS-Eintrag), und jeder dieser DNS-Einträge hat eine Gültigkeitsdauer. Diese Gültigkeitsdauer (TTL, Time-To-Live) ist essentiell für einen Umzug.

Die Gültigkeitsdauer können Sie bei einigen Hosting-Providern (z.B. bei uns) individuell für jeden Eintrag festlegen, bei anderen Providern nur in gewissen Grenzen oder auch gar nicht. Der technisch kleinste Mindestwert für diese Gültigkeit beträgt 60 Sekunden. Dies ist auch der Wert, den wir für Umzüge immer empfehlen.

Die Wichtigkeit dieses Wertes wird um so deutlicher, wenn man sich folgendes vor Augen hält: Das Domain Name System stammt aus einer Zeit in der das Internet noch so gebaut wurde, dass es Kriege überstehen können sollte. Entsprechend arbeitet das System sehr träge und ist auf eine dezentrale Arbeitsweise ausgelegt, d.h.:

  1. Ihr Browser speichert DNS-Einträge im Cache
  2. das Betriebssystem Ihres Computers cached DNS-Einträge
  3. Ihr Router in Ihrer Firma / zu Hause cached DNS-Einträge
  4. der/die Router Ihres Internet-Providers cached DNS-Einträge
  5. dessen DNS-Resolver cachen ebenfalls DNS-Einträge
  6. das ganze geht so weiter, bis man bei den Root-DNS-Servern angekommen ist
  7. diese delegieren dann an den authoritären DNS-Server – unter der (indirekten) Verwaltung des Domain-Inhabers

Das bedeutet nun eigentlich(!), dass, wenn ein Gültigkeitswert abgelaufen ist und eine neue Abfrage zu der Domain gestartet wird, entsprechend alle diese Stellen diesen Ablauf akzeptieren müssten und entsprechend den aktuell eingetragenen (authoritären) DNS-Server um die Antwort fragen müssten.

Eigentlich. In der Praxis halten sich einige (vorallem größere, aber nicht alle) Internet-Service-Provider nicht an die vom Domainverwalter vorgegebenen TTL-Werte, vergrößern diese künstlich, weshalb es dann länger dauert, bis sich Änderungen verbreiten.

 

DNS-Einträge zeigen in den meisten Fällen (auf die eine oder andere Art) auf einen Server. Im Falle eines Eintrages für «www» erwartet man typischerweise einen Webserver, auf den man sich dann mit Port 80 (http), ggf. auch Port 443 (https, mithilfe eines SSL-Zertifikates verschlüsselt) verbinden kann.

Dieser Webserver weiß nun – z.B. durch die IP-Adresse oder durch den angefragten Domain-Namen – welche Webseite er ausliefern muss.

 

Hierbei findet dann der Zugriff auf die Dateien und die Datenbanken statt. Die meisten unserer Kunden möchten während eines Umzuges jedoch einen Zugriff vermeiden – damit die Kopie auf dem neuen Server mit der Version auf dem alten Server konsistent bleibt. Hier empfiehlt es sich, den Wartungsmodus zu aktivieren.

Ein weiterer zentraler Punkt dieser DNS-Einträge sind natürlich der für die Domain verantwortliche E-Mail-Server. Entsprechend gibt es auch hier einige Punkte zu beachten. Aufgrund des DNS-Cachings empfehlen wir unseren Kunden meistens, den alten E-Mail-Server auch einige Tage nach dem Domain-Transfer noch zu prüfen, denn auch Stunden nach der Umstellung können noch E-Mails bei dem alten Server eingehen, obwohl schon lange entsprechende Einträge durch die TTL-Werte abgelaufen sind und nicht mehr verwendet werden sollten.

 

Umzug eines Webauftritts

Um einen Webauftritt nun in Teilen oder komplett umzuziehen, muss also zumindest an einigen dieser obigen Stellschrauben gedreht werden. In den meisten Fällen bedeutet das, dass mindestens ein DNS-Eintrag geändert werden muss, wenn man das z.B. für den www-Eintrag macht, weil man vielleicht bereits eine neue Shop-Installation auf dem neuen Server hat, dann gelangen --- nach Ablauf der TTL und aller Caches --- die Anfragen auf den neuen Shop.

Hin und wieder kommt es vor, dass im Zuge des Umzuges auch die Softwareplattform (z.B. von einer Shop-Software zu einer anderen) gewechselt werden soll. Naturgemäß muss man dann nicht unbedingt die Daten kopieren, die sonstigen Hinweise (Wartungsmodus) gelten dabei trotzdem. Oft wird solch ein Umzug dann durch eine Agentur durchgeführt. In dem Fall sind wir gerne bereit, entsprechende Einstellungen zu prüfen, jedoch müssen wir dann natürlich auch im Detail wissen, was genau gerade umgestellt werden soll und welche Vorkehrungen und Maßnahmen bereits getroffen wurden.

Am Besten lassen sich die Möglichkeiten anhand von Fallbeispielen verdeutlichen.

Tipp: Wenn Sie einen Umzug von uns durchführen lassen, so können Sie gerne Bezug auf diese Szenarien nehmen, vermerken Sie z.B. unter Anmerkungen bei der Bestellung «Umzug nach Szenario 1», dann wissen wir schon mal im Groben, in welche Richtung es gehen soll.

Wenn Sie nicht wissen, welches Szenario für Sie in Frage kommen könnte, so beraten wir Sie gerne!

 

Benötigte Daten - was wir von Ihnen benötigen

Wenn wir einen Umzug ganz oder teilweise für Sie durchführen sollen, so benötigen wir in der Regel wenigstens folgende Daten:

  • Webseitendateien: FTP- oder SSH-Zugang
  • Datenbanken: phpMyAdmin- oder SSH-Zugang (bei SSH muss der Zugriff auf die Datenbank möglich sein)
  • Domains: AUTH-Code
  • ggf. Zugangsdaten zum Backend der Webseite / des Shops (z.B. für Aktivierung des Wartungsmodus)

Szenario 1: Umzug des kompletten Webauftrittes (kurze TTL) - Alles in einem Rutsch

Situation

Domains, Datenbanken (wenige MB), E-Mail-Adressen und Webseitendateien (wenige GB) werden bei einem Hoster gelagert, es handelt sich um einen WordPress-Blog mit wenigen Plugins

Dieser Hoster erlaubt die Einstellung der TTL, als kleinsten Wert gibt er 180 Sekunden vor.

Kunde wünscht Umzug durch uns, benötigt jedoch keinen separaten Testumzug, da er in der Zwischenzeit keine Dateien/Blog-Einträge hinzufügen/ändern/löschen wird.

Umzug so schnell wie möglich.

Lösung

Das neue Hostingpaket (z.B. booSSD 2.0 SSD) wird vorbereitet.

Der Kunde erhält die Zugangsdaten, kann daraufhin mit der Einrichtung der benötigen E-Mail-Adressen beginnen.

Parallel beginnen wir mit der Kopie der Dateien und Datenbanken und der Konfiguration. Nach Abschluss der Arbeiten teilen wir dem Kunden mit, wie er auf die Installation zugreifen kann (z.B. mittels geänderter hosts-Datei). Wir bitten den Kunden, die Installation ausgiebig zu testen und zu verifizieren.

Der Kunde lässt den TTL-Wert für die Domain auf den kleinen Wert setzen, oder setzt diesen selber über das Kundeninterface des alten Hosters.

Außerdem teilen wir ihm die nötigen weiteren Schritte mit und leisten Hilfestellung bei der Durchführung:

DNS-Zone erstellen mittels Wizard, Domain-Handle erstellen, Domain übertragen

Man wartet, bis die neue TTL aktiv geworden ist!

Kurz vor Übertragung der Domain aktiviert der Kunde im WordPress des alten Servers noch einen Wartungsmodus, durch die kurze TTL von 180 Sekunden werden nach der Umstellung innerhalb von kurzer Zeit die Besucher den Blog auf dem neuen Server sehen.

 

Szenario 2: Umzug des kompletten Webauftrittes (lange TTL) - Erst die Domain, dann den Rest

Situation

Wie Szenario 1, jedoch erlaubt der alte Hoster keine Veränderung der TTL

Die TTL der DNS-Einträge bei dem alten Hoster liegt bei 86.400 Sekunden

Lösung

Das neue Hostingpaket und die Testinstallation werden wie in Szenario 1 eingerichtet.

Bevor jedoch die Seite tatsächlich umzieht, erzeugt man eine DNS-Zone mit den Werten des alten Hosters, jedoch mit niedrigerer TTL und zieht die Domain um. Dadurch wechselt die Verwaltung der Domain, jedoch bleibt der ausliefernde Webserver vorerst der gleiche. Sobald diese DNS-Änderung dann vollzogen ist, kann man ggf. den Wartungsmodus aktivieren, ggf. die Daten nochmals kopieren (falls in der Zwischenzeit doch eine Änderung eingetreten ist), und die DNS-Einträge nun so abändern, dass sie auf den neuen Server zeigen.

Achtung

Bei einigen Hostern ist die Domain fest mit dem Hosting-Auftrag verknüpft – in dem Augenblick, wo man die Domain von dem Hoster umzieht, wird dann auch das entsprechende Hosting eingestellt.

Sollten Sie bei einem dieser Hoster sein – bitte bringen Sie das vorher in Erfahrung! - haben wir eine Möglichkeit, um auch dieses Problem zu umschiffen.

 

Szenario 3: Teilumzug des Webauftrittes - Nur die Seite

Situation

Manchmal soll jedoch nur die Webseite (Dateien und Datenbanken) umgezogen werden, da es für die E-Mails bereits eine andere Lösung gibt. Es gilt hier die gleichen Faktoren zu bedenken, verhält sich aber im Prinzip gleich wie bei den anderen Szenarien.

Lösung

Es gilt hier die gleichen Faktoren zu bedenken, verhält sich aber im Prinzip gleich wie bei den anderen Szenarien.

 

Szenario 4: DNS-Einträge können nicht kurzfristig geändert werden, die Domain kann jedoch auch nicht vorab umgezogen werden

Lösung

Sprechen Sie uns an, hier gibt es keine pauschale “gute” Lösung, aber manchmal gibt es einen Weg.

 

Szenario 5: Entzerrter Umzug

Situation

Manchmal ist ein Webauftritt so groß oder so komplex, dass es Sinn machen kann, das Problem logisch zu entschärfen, es zu entzerren, damit man nicht zu viele Baustellen gleichzeitig offen hat.

Dies bietet sich beispielsweise an, wenn z.B. sehr viele E-Mail-Adressen auf der Domain verwendet werden, man also viele Mitarbeiter – und Mitarbeiter-PCs – hat, die erst später konfiguriert werden können (weil z.B. der verantwortliche Mitarbeiter gerade gar nicht da ist).

Lösung

In dem Fall kann man den Vorgang entzerren, sprich zum Beispiel zu einem ersten Termin nur die Webseite umziehen, zu einem zweiten Termin (einige Tage/Woche später) die E-Mails auf den neuen Server zeigen lassen.

Dabei werden dann wahlweise die DNS-Einträge (entweder bei uns oder beim alten Hoster) erst nach und nach umgestellt. Erst der für die Webseite, dann der für die E-Mails.

Je nach Möglichkeiten beim alten Hoster bietet sich an, die Domain vorab, ähnlich wie bei Szenario 2, umzuziehen und dazu mit den alten Werten auszustatten.

 

Szenario 6: Umzug / Softwarewechsel durch Agentur

Situation

Der alte Server läuft mit einer alten Version einer Shop-Software.

Die Agentur hat einen Migrationsprozess geplant.

Lösung

Die Software auf dem neuen Server wird installiert und vorbereitet, lauffähig gemacht. Mittels lokal geänderter Hosts-Datei wird der Shop auf dem neuen Server ausgiebig getestet, inkl. des Migrationsprozesses der Daten des alten Servers.

Zum Termin werden nur noch die DNS-Daten angepasst, dies erfolgt entweder durch den Kunden oder die Agentur oder, sofern die Domain ebenfalls zu uns umgezogen wird, durch uns.

Autor: Kai Nessig

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